Sichtbeton: Luft nach oben

Beim Betonieren ist es entscheidend, dass die Luft nach oben steigt – aber nicht im fertigen Beton. Denn eingeschlossene Luftblasen, sogenannte «Lunkern», hinterlassen unschöne Spuren auf der Oberfläche.

Sichtbeton ist anspruchsvoll, gewährleistet Stabilität und beeindruckt optisch. Doch bis zur perfekten Oberfläche ist es ein weiter Weg, der viel Know-how und Fingerspitzengefühl verlangt. Durch gezieltes Vibrieren wird die eingeschlossene Luft nach oben befördert und kann entweichen. Ein Blick hinter die Kulissen mit der Bauherrschaft Josef c/o Guido Walker bei der Überbauung Rütiwies in Altendorf zeigt, wie viel handwerkliche Präzision es braucht, um Sichtbeton in Bestform zu bringen.

Luft, die aufsteigt – und Probleme hinterlässt

Beim Einbringen von Beton entstehen Luftblasen, die nach oben steigen und in der Oberfläche sichtbar werden. Gerade bei Sichtbeton, bei dem keine weitere Verkleidung das Ergebnis kaschiert, sind diese Lunkern unerwünscht. «Die Luft steigt im Beton auf und muss durch Vibrieren nach oben befördert werden», erklärt Guido Walker, Mitglied der Geschäftsleitung der Josef Walker Bauunternehmung AG in Altendorf. Dabei sei das richtige Mass entscheidend: «Zu langes Vibrieren führt zu Kiesnestern, zu kurzes zu Luftblasen.» Besonders bei Pumpbeton sei der Entlüftungsprozess heikel. Die Konsistenz müsse auf der Baustelle feinjustiert werden – ein Balanceakt, der viel Erfahrung erfordert.

Die Schalung: Mehr als nur Formgeber

Die Schalung spielt eine zentrale Rolle für die Qualität des Sichtbetons. Hier gibt es zahlreiche Faktoren zu beachten: Die Art der Schalungsbretter, deren Alter sowie die verwendeten Platten beeinflussen die Struktur und Farbgebung. «Wir setzen häufig Kunstharzplatten des Typs 4 ein, um scharfkantige Ecken und klare Kanten zu gewährleisten», so Guido Walker. Nach etwa 20 bis 30 Einsätzen müssen die Schalungsbretter revidiert werden. Sauberkeit ist hier das A und O, um unschöne Spuren auf der Oberfläche zu vermeiden. Die Erfahrung zeigt: «Mit neuen Brettern entstehen weniger Lunkern – vorausgesetzt, sie wurden sorgfältig behandelt, mit geeignetem Schal-Öl präpariert und gut getrocknet.»

Temperatur und Konsistenz – Faktoren mit grossem Einfluss

Temperatur und Witterung sind entscheidend für den Beton. Zu hohe Temperaturen lassen den Beton schneller abbinden, zu niedrige erschweren die Verarbeitung. «Wir passen die Betonmischung zusammen mit dem Betonmaschinisten vom KIBAG Betonwerk Schindellegi, Thomas Stössel je nach Wetterlage an", erklärt Guido Walker. Bei der Überbauung in Altendorf konnten wir vom Projekt «Hecht» in Altendorf profitieren und auf diese Erfahrungen aufbauen. Die dort verwendete Mischung für den Sichtbeton vom KIBAG Betonwerk Schindellegi bewährte sich auch unter anspruchsvollen Bedingungen.
Hydrophobierung schützt vor Witterung. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Hydrophobierung der Oberfläche. Dabei wird der Beton mit einer wasserabweisenden Schicht versehen, die das Eindringen von Feuchtigkeit verhindert. «Das ist besonders an schattigen Stellen wichtig, wo sich Feuchtigkeit länger hält», so der Experte. Diese Behandlung schützt den Beton vor Frost- und Tausalzschäden und trägt zu einer gleichmässigen Farbwirkung bei.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Die Planung und Ausführung solcher Bauprojekte erfordern ein eingespieltes Team. Die Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro marty Architektur AG, Schwyz verlief reibungslos. «Wir haben vor Ort den Mörtel gemischt und exakt auf die Farbtöne abgestimmt, sodass ein harmonisches Gesamtbild entstand», berichtet Guido Walker. Ebenso lobt er die Arbeit der Mauerwerksplaner von Keller Unternehmungen in Pfungen: «Die Pläne waren präzise, das Zusammenspiel hat bestens funktioniert.»

Sichtbeton bleibt spannend

Trotz aller Erfahrung bleibt Sichtbeton immer ein Stück weit unberechenbar. Die vielen Faktoren – von der Schalung über die Temperatur bis hin zum richtigen Vibrieren – verlangen Geduld und Genauigkeit. Doch wenn am Ende ein makelloser Sichtbeton entsteht, der sowohl funktional als auch ästhetisch überzeugt, wissen alle Beteiligten: Die Mühe hat sich gelohnt.