Altlastensanierung trotz "grüner Wiese"
Auf der idyllischen Waldlichtung «Im Pantli», an der Grenze zwischen Schaffhausen und Stetten, entstehen aktuell 200 Wohnungen. Ein Projekt mit einem Umfang, wie es die KIBAG im Schaffhausischen nicht alle Tage sieht.
Bauen auf der grünen Wiese kommt in der dicht besiedelten Schweiz inzwischen selten vor. Am Stadtrand von Schaffhausen, Richtung Merishausen, entsteht aktuell ein solches Projekt – umgeben von Wald und daher auch mit dem Vermarktungsnamen «Waldstadt» versehen. Doch «grüne Wiese» ist eigentlich nicht ganz korrekt. Denn früher war der Acker – das Pantli – schon einmal überbaut: Das Schaffhauser Industrieunternehmen Georg Fischer hatte dort in der Nähe seines Werks von 1916 bis 1918 schon Reihenhäuser mit Wohnungen für seine Arbeiter erstellt. Ab den 1960er-Jahren entvölkerte sich die Siedlung jedoch nach und nach; 1975 wurde die gesamte Siedlung abgebrochen. «Aber eben nicht ganz», wie der Bauführer Daniel Schwab erzählt. «Die Kellergeschosse liess man stehen und schüttete das Ganze einfach auf.» Das ist der Grund, weshalb seit Anfang Jahr als erstes Altlastensanierungen vorgenommenwerden mussten.
Grossprojekt für Schaffhausen
Der 47 600 Quadratmeter grosse Bauperimeter, auf dem die Zürcher Firma Halter bis Frühling 2027 über 200 Eigentumswohnungen inklusive Kindergarten erstellt, ist in drei Baufelder aufgeteilt: Auf dem Baufeld A hat die KIBAG Wilchingen die Altlastensanierung, den Baugrubenaushub sowie die Magerbetonsohle weitgehend abgeschlossen; auf dem Baufeld A ist der Hochbau bereits am Laufen. Die KIBAG wird ab Anfang Herbst 2025 mit dem Baufeld B beginnen, ab etwa Frühling 2026 folgt das Baufeld C. «Für Schaffhausen ist das Projekt aussergewöhnlich gross und längerfristig», sagt Andreas Binkert. Schon die Zahlen sprechen eine eindrückliche Sprache: Alles in allem rechnet Bauführer Daniel Schwab mit 95 000 Kubikmeter Material im Festmass.
Material vor Ort wiederverwerten
Das kieshaltige Aushubmaterial wird grossteils in Wilchingen gesiebt und als feines Leitungskies anschliessend wiederverwertet. Nebst 600 bis 800 Kubikmetern E-Material, 100 Kubikmetern Sonderabfall und 1000 Kubikmetern Oberboden, die abgeführt werden, verbleiben etwa 8000 Kubikmeter Aushubmaterial in einem Depot vor Ort; dieses wird nach und nach für die Aufschüttungen wiederverwertet. Hinzu kommen 2600 Kubikmeter Oberboden für Geländemodellierung. Denn Platz für ein solches Lager hat es für einmal genug.
Werkleitungen in 7 Metern Tiefe
Da das Gebiet seit Jahrzehnten nur als Ackerland genutzt wurde, ist es natürlich auch nicht erschlossen. So muss die künftige Siedlung, die idyllisch in bewaldetem Gebiet liegt, mit Werkleitungen erschlossen werden. «Bis zu sieben Meter tief waren die Gräben», erzählt Maschinist Tobias Jäckle – und das von ganz unten von der Schweizersbildstrasse bis hoch zur Waldstadt. Das sind etwa 1500 Meter. «Die Wasser- und Abwasserleitungen verfügen mit einem Durchmesser von 300 Millimetern aufgrund der vielen Wohnungen über eine Dimension, wie wir das hier sonst selten machen», so Jäckle. Der Vorteil eines unbebauten Grundstücks wiederum liegt auf der Hand: «Es gibt keinerlei Werkleitungen, auf die man beim Graben achten muss», lacht Andreas Binkert. Die ersten Wohnungen werden im Frühling 2027 bezugsbereit sein.
Mehr zum Projekt
waldstadt.ch