Abbau und Naturschutz gehen Hand in Hand

Die Notwendigkeit des Kiesabbaus für das Bauwerk Schweiz steht ausser Frage. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass der Kiesabbau grosse ökologische Chancen offenbart. Die Kiesbranche ist eine der wenigen Industrien, die grosszügige Flächen als Lebensräume für die Schweizer Flora und Fauna zur Verfügung stellt. Dies geschieht bei der KIBAG in den verschiedensten Bereichen. Wir zeigen einige auf.

Dass in Kiesgruben sehr viel mehr summt als die Motoren der Baumaschinen, weiss jeder, der einmal im Frühjahr oder Sommer eine solche besucht hat. Die Kieswände unserer Abbaugebiete werden im Frühling von bedrohten Uferschwalben als Brutplatz genutzt, Wildbienen nutzen die offenen Flächen ebenfalls als Nistplätze. Auch in anderen Kiesgruben bieten brachliegende Flächen Raum für seltene Pionierpflanzen, wie zum Beispiel das schwarzbraune Zypergras.

Rekultivierung: ein Golfpark entstand

Nebst den Flächen, die während des Abbaus in einer Kiesgrube wertvollen (und durch Menschen weitgehend ungestörten) Lebensraum für die Natur bieten, sind natürlich die Rekultivierungen eine besondere Gelegenheit, der Natur hochwertige Flächen verfügbar zu machen. Ist ein Gebiet erschöpft – sei es eine Kiesgrube oder ein Steinbruch – wird dieses renaturiert oder rekultiviert. Ein eindrückliches Beispiel hierfür ist der Golfpark in Nuolen, wo eine Fläche von rund 74 Hektaren (740 000 Quadratmeter!) nach Ende des Kiesabbaus in den 90er-Jahren aufgeschüttet und zu einem Golfpark gestaltet wurde. Achtung, Vorurteil: Entgegen der verbreiteten Meinung, ein Golfrasen sei nur mithilfe von viel Gift zu erreichen, ist unser Golfpark dank Ruderalflächen, Biotopen, Hecken und Kräutersäumen ein Hort für diverse Insekten-, Vogel- und Amphibienarten. Auch in unseren Steinbrüchen in Seewen und Attinghausen (Gasperini) entstanden in den früheren Abbaugebieten hochwertige Flächen: Im Zingel in Seewen beispielsweise sind über 80 Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen – darunter auch solche von der Roten Liste wie Erdkröte, Uhu oder Wanderfalke. Der Standort ist von der Stiftung Natur & Wirtschaft als Naturpark klassiert.

 

Ausgleichsflächen: Regensdorf

Im Unterschied zu den oben genannten Wiederherstellungsmassnahmen, bei denen temporäre Eingriffe behoben werden, können in gewissen Fällen auch so genannte Ersatzmassnahmen ergriffen werden. Diese kompensieren Eingriffe in Lebensräume an einem anderen Ort oder in der gleichen Region. Ein Beispiel hierfür ist eine Ausgleichsfläche in Regensdorf. Als die KIBAG RE zusätzlichen Platz brauchte, konnte sie eine Fläche gleich angrenzend ans bestehende Areal dazugewinnen. Diese Fläche, die der Natur so nicht mehr zur Verfügung steht, konnte gut zwei Kilometer entfernt, gleich unterhalb der Altburg, ausgeglichen werden. Dort entsteht seit letztem Jahr ein hochwertiger Lebensraum mit offenen Flächen, Teichen und Steinhaufen für verschiedene bedrohte Lebewesen. Ein vergleichbares Projekt entwickelt sich in unserer Kiesgrube in Birr, wo aktuell als Ausgleich für die neue Abbauetappe Biotope entstehen.

Tauschhandel zugunsten der Natur

Oftmals bildet eine Kombination aus Rekultivierung und naturnaher Ausgleichsfläche die ideale Grundlage für die Abbaubewilligung eines neuen Gebiets. In Edlibach wurde bis in die 80er-Jahre im nördlichen Teil Richtung Höllbach Kies abgebaut. Danach diente die entstandene Grube bis 2011 als Schlammweiher. Mit dem Bau einer Kammerfilterpresse wurde dieser überflüssig. Seit 2017 ist der frühere Schlammweiher ein Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung. Die ökologische Ausgleichsfläche bietet einen geschützten Lebensraum für verschiedene Pionierpflanzen und bedrohte Tierarten wie die Gelbbauchunke, die Kreuzkröte oder den Flussregenpfeifer. Und so konnte im Zuge des Bewilligungsverfahrens der aktuellen gültigen Abbaubewilligung diese Fläche von etwa zwei Hektaren als ökologische Ausgleichsfläche ausgeschieden werden. Für den Unterhalt sorgen seit 2017 so genannte Turopolje-Schweine. Das sind robuste und seltene Wollschweine, die gerne schwimmen und auch unter Wasser im Boden herumwühlen, sodass auf natürliche Weise verhindert wird, dass die Ruderalflächen und die Weiherlandschaft mit Schilf und Rohrkolben überwuchern.